Autor: Chefredakteur der Heilbronner Stimme Uwe Ralf Herr vom 9. August 2024
Wertvolle Dokumente vernichtet
Der 36 Meter hohe Brettacher Kirchturm präsentiert sich seit einiger Zeit mit einem Korsett. Bei
der Abmontierung der neu zu vergoldenden Kugel machte man eine bedauerliche Entdeckung:
Die Kugel war durch mehrere Einschüsse (vermutlich Kleinkalibergewehr) durchlöchert, so daß
die sich in der Kugel befindlichen Dokumente durch den Witterungseinfluß total unleserlich und
verfault waren. Da der Kirchturm durch Witterungseinflüsse und das Innere des Turmes
reparaturbedürftig wurde, hat sich der Kirchengemeinderat zu der mit ca. 90 000 DM
verbundenen Renovierung entschlossen.
Der Kirchengemeinderat hat am 13. Okt. 1972 Kirchenrenovierung beschlossen, die hiesige
Kirche mit einem Kostenaufwand von DM 110 000.- renovieren zu lassen. Dieser Beschluß
wurde vom Evang. Oberkirchenrat nicht genehmigt. Mit Schreiben v. 5.Januar 1973 hat er
mitgeteilt, dass die vorgesehenen Entfeuchtungsmaßnahmen vorläufig zurückzustellen seien. Die
Summe des Kostenanschlags solle sich dadurch um DM 16 000.- für Entfeuchtung + DM 5 500.-
für Putzablösen auf ca., DM 88 500.- vermindern. Herr Architekt Schäfer hat dann in seinem
Schreiben v. 12.1.73 mitgeteilt, dass das Zurückstellen der Entfeuchtungsmaßnahmen auch vom
fachlichen Standpunkt zu vertreten sei. Nach dem Vorschlag des Oberkirchenrats soll der neue
Kostenanschlag sich auf eine runde Summe von DM 90 000.- belaufen.
Der Kirchengemeinderat beschließt deshalb folgenden neuen Kostenanschlag für die
Renovierungsarbeiten in der Kirche:
A. Gerüstarbeiten DM 10 600.-
B. Dachdeckerabeiten DM 15 200,-
C. Turmzierarbeiten DM 1 200.-
D. Blitzschutzarbeiten DM 1 640.-
E. Flaschnerarbeiten DM 11 000.-
E. Zifferblattarbeiten DM 2 500.-
G. Zimmerarbeiten DM 13 000.-
H. Holzschutzarbeiten DM 7 000.-
I. Schreinerarbeiten DM 6 000,-
K. Gipserarbeiten DM 3 500.-
L. Feuchtigkeitssan.arbeiten DM --,-
M. Elektroarbeiten DM 1 200.-
N. Steinmetzarbeiten DM 7 400.-
0. Malerarbeiten DM 4 800.-
P. Unvorhergesehenes DM 4 960.-
Kostenanschlagsumme DM 90 000.-
Der Kirchengemeinderat hat im Benehmen mit der Kirchl. Verwaltungsstelle Heilbronn für diese
Ausgaben einen Kostendeckungsplan aufgestellt. Dabei wurde berücksichtigt, dass lt. Schreiben
von Herrn Architekt Schäfer v. 12.1.73 die Arbeiten am Turm einen Aufwand von insgesamt DM
24 000.- ergeben. Da die bürgerliche Gemeinde Brettach verpflichtet ist, vom Aufwand für den
Turm einen Anteil von 50 % zu tragen, kann mit einem Beitrag der bürgerl. Gemeinde von DM
12 000.- zu den Gesamtkosten gerechnet werden.
Somit wurde vom Kirchengemeinderat folgender Kostendeckungsplan aufgestellt:
Opfer und Spenden DM 3 600.-
Zuweisung v. ordentl. Haushalt DM 10 400.-
Entnahme aus der Rücklage DM 5 600,-
Sonderzuweisungen DM 16 400.-
Kostenanteil der bürgerl. Gde. DM 12 000.-
Zuschuß aus dem Ausgleichsstock DM 42 000.-
zusammen: DM 90 000.-
Der Kirchengemeinderat beschloß, dass die obengenannten Arbeiten ausgeführt werden sollen.
Der Ev. Oberkirchenrat soll um Genehmigung gebeten werden.
gefertigt anläßlich der Kirchenrenovierung im Herbst 1973 eingelegt in die Turmzier im Oktober 1973.
Die Kirchengemeinde Brettach umfaßt z.Zt. 1002 evangelische Gemeindeglieder. Der Gottesdienstbesuch am Sonntag ist gut. Allerdings zeigen sich auch in Brettach Tendenzen, die auf eine Entkirchlichung der Bevölkerung abzielen. Wir wollen uns dadurch nicht entmutigen lassen und nach wie vor fröhlich das Evangelium verkündigen und auch versuchen, danach zu leben.
Der Kirchengemeinderat setzt sich aus folgenden Personen zusammen:
Pfarrer Werner Podratz, 1.Vorsitzender
KGR Karl Simpfendörfer, 2. Vorsitzender
KGR Helmut Simpfendörfer, Kirchenpfleger
KGR Rudolf Simpfendörfer
KGR Paul Simpfendörfer
KGR Wilhelm Scheuber
KGR Helmut Gebhardt
KGR Hermann Heinzmann
KGR Karl Ehmann
Organisten sind: Herr Karl Simpfendörfer und Frau Dora Heiß.
Mesnerin ist: Frau Emilie Lumpp.
Bürgerliche Gemeinde:
Die Gemeinde hat in der jüngsten Vergangenheit die Einwohnerzahl 1 200 erreicht. Bis jetzt ist die Gemeinde noch selbständig und wird durch Herrn Bürgermeister Heinz Waibel geleitet. Die bäuerlichen Betriebe sind stark zurückgegangen. Im Jahre 1968 waren es 126, heute zählt man nur noch 90 bäuerliche Betriebe. Vermutlich werden sie noch weiter zurückgehen. Die EWG arbeitet auf eine weitere Verminderung hin. - Am Ort befinden sich 4 mittlere Industriebetriebe, wo insgesamt 70 Personen von Brettach Arbeit finden. Im ganzen werden in den Betrieben 120 Personen beschäftigt« - Die Schule wurde in der letzten Zeit umfunktioniert. Am Ort befinden sich nur noch das 1. und 2. Schuljahr. Mit der Gemeinde Langenbeutingen wurde ein Schüleraustausch organisiert. Die Schüler des 1. und 2. Schuljahrs beider Gemeinden besuchen in Brettach die Schule. Die Schüler des 3. und 4. Schuljahrs beider Gemeinden besuchen in Langenbeutingen die Schule. Alle andern Schüler besuchen die Schule in Neuenstadt. Alle Schüler werden in Omnibussen befördert. - Bis jetzt konnte man keine besonderen positiven Auswirkungen dieser 'Schule auf Rädern' feststellen.
Übergemeindliche Verhältnisse:
Gegenwärtig versucht man, durch allerlei Reformen die Strukturen des öffentlichen Lebens zu verbessern. Verschiedene kleinere Gemeinden werden zu einer größeren Gemeinde zusammengeschlossen. Die Landkreise wurden zum Teil vergrößert, zum Teil aufgelöst. Man will dadurch die Arbeit der Behörden rationalisieren. Ob sich diese Neuerung positiv auswirkt, werden spätere Geschlechter entscheiden können.
Politik:
Im Oktober dieses Jahres ist ein neuer Krieg zwischen den arabischen Staaten und Israel ausgebrochen. Den Krieg hat Ägypten vom Zaun gebrochen. Viele Menschen mußten ihr Leben lassen. Es wird geschätzt: ca. 20 000. Die UNO hat eine Waffenstillstandsresolution verfaßt. Bis jetzt waren die beteiligten Staaten nicht bereit, dieser Aufforderung nachzukommen. Man kämpft weiter. - Meiner Ansicht hat dieser Krieg für die ganze Menschheit ein Warnsignal gesetzt. Eigentlich sollte es allmählich allen Menschen deutlich werden, dass man 1. das Paradies auf dieser Erde mit materiellen Mitteln nicht erreichen kann, und 2, dass man überhaupt kein Paradies auf dieser Erde erschaffen kann.
Kirchenrenovierung:
Die Leitung der Kirchenrenovierung liegt in den Händen von Herrn Architekt Schäfer, Ilsfeld.
Folgende Handwerker haben bei der Erneuerung mitgearbeitet:
Fa. Kilgus, Heilbronn, Gerüstarbeiten
Fa. Lang, Heilbronn, Dachdeckerarbeiten
Fa. Walter, Neudeck, Zimmerarbeiten
Fa. Bürk, Brettach, Flaschnerarbeiten
Fa. Wörbach, Brettach, Malerarbeiten
Fa. Seeberger, Brettach, Gipserarbeiten
Fa. Engelhardt, Brettach, Elektroarbeiten
Fa. Hoch, Stuttgart, Holzschutzarbeiten
Fa. Hörz, Ulm, Arbeiten an der Turmuhr
Fa. Gebhardt, Brettach, Schreinerarbeiten
Wir hoffen und wünschen, dass auch diese Arbeiten an der Kirche in Brettach dazu dienen, dass sie unserem Gott zur Ehre und seiner Gemeinde in Brettach zum Heil gereichen.
anno domini 1973

Wie geht es mit der Dachsanierung weiter?
Die Arbeiten am Dach des Kirchenschiffs werden im August fertig. Wenn die Zimmerer ihre Arbeiten beendet haben, beginnen die Malerarbeiten an der
Außenfassade des Kirchenschiffs. Anschließend wird das Gerüst abgebaut.
Dann ist erst einmal Pause bis zum Januar. Die Planungen für das Kirchturmgerüst haben sich als so schwierige herausgestellt, dass erst nach den
Weihnachtsferien mit dem Gerüstaufbau für den Kirchturm begonnen werden kann. Das ist eine Verzögerung von einem Jahr. Nach jetziger Bauzeitenplanung werden die Sanierungsarbeiten erst zu den Sommerferien 2024 komplett abgeschlossen.


Dachtragwerk: In der Dachkonstruktion des Langhauses sind größere, teilweise sehr gravierende Eingriffe durch Reparaturen in der Vergangenheit sichtbar. In den 1950. Jahren wurden Hängewerke mit teils gemauerten und teils betonierten Auflagern über den Fünfkant- und Mauerschwellen eingebaut um die Stützen im Kirchenraum entfernen zu können. In den Bereichen der Umschließung mit Steinen und Beton sind die entsprechenden Hölzer durch Fäulnis weitestgehend zerstört und der zugfeste Längsverband ist mehrfach unterbrochen. Die Mauer- und Fünfkantschwellen werden soweit möglich mit zimmermannsmäßigen Verbindungen ertüchtigt. Es werden zusätzliche Hölzer eingebaut, da durch den Einbau der Auflager des Hängewerkes in den 1950. Jahren eine Herstellung des Längsverbandes mit der Originalsubstanz nicht mehr möglich ist. Diese entsprechen den größtmöglichen einbaubaren Querschnitt und werden mittels Hartholzdübeln mit den entsprechenden Bauteilen verbunden und vollflächig untermörtelt, um wieder einen zugfesten Längsverband herzustellen.
Da sich alle Fußpunkte von Sparren zu Deckenbalken am Langhaus in einem desolaten Zustand befinden und es bereits zu Verformungen gekommen ist, werden die Deckenbalken zimmermannsmäßig ertüchtigt und auf ihre ursprüngliche Länge verlängert. Da sich auch sämtliche Aufschieblinge, falls vorhanden, in sehr schlechtem Zustand befinden, werden diese entfernt und durch den bauzeitlichen Aufschieblingen in Art und Lage entsprechende ersetzt. Des Weiteren sollen die Verbindungen der Stahlkonstruktion nachbefestigt werden.
Dachdeckung Schiff: Die Traufen müssen zur Ausführung der Zimmerarbeiten an den Schwellen und Sparrenfußpunkten aufgedeckt und die Lattung entfernt werden. Diese Bereiche werden nach Abschluss der Arbeiten wieder eingelattet und mit den Bestandsziegeln eingedeckt. Am Übergang des Hauptdaches zum Turm werden die Blechanschlüsse der Biberschwanzdeckung fachgerecht mit Nockenblechen angeschlossen.
Zimmerarbeiten Turm: Nach der Entfernung der kompletten Dacheindeckung und Dachschalung in den Bereichen der Schwellenkränze werden die Knotenpunkte überprüft und je nach Erfordernis. nachbefestigt. Es wurde auf die vorhandene, vermutlich aus dem beginnenden 19. Jahrhundert stammende Schalung eine Nut- und Federschalung zur Befestigung des Unterdaches und des Schieferdaches aufgebracht. Bei den Zimmerarbeiten werden ebenfalls das Unterdach und die Vorarbeiten, wie Rückbauarbeiten ausgeführt.
Schieferdeckerarbeiten: Das Schieferdach wird als Altdeutsche Deckung mit eingebundenen Graten und Kehlen ausgeführt. Die Blechanschlüsse erfolgen ebenfalls durch den Schieferdecker.
Natursteinarbeiten: Größere Fehlstellen und Risse werden durch Antragungen, Vierungen oder Vernadelungen ertüchtigt, bzw. ausgebessert.
Außenputz: Der Putz am Sockel des Westgiebels soll, da dieser bereits hohl liegt und eine hohe Belastung durch bauschädliche Salze aufweist, entfernt werden. Der Neuverputz erfolgt mit einem auf die Gegebenheiten abgestimmten Kalkputz. Befunde des bauzeitlichen Altverputzes, falls vorhanden, werden dokumentiert und erhalten. Die Anschlüsse der Gesimskästen werden artgleich zum Bestandsputz ausgeführt. Der Turm erhält im kompletten verputzten Bereich einen Anstrich aus Silikatfarbe. Im Bereich des Traufanschlusses des Schiffes wird nur der angrenzende Bereich retuschiert.
Schreinerarbeiten: Der Anstrich der Schallläden soll entfernt und die Holzkonstruktion aufgearbeitet werden.
Malerarbeiten: Die Holzgesimse und sichtbaren Holzbauteile, außer den Schallläden, sollen mit Leinölfarbe gestrichen werden. Des Weiteren sollen bei den Fenstern des Anbaus der Anstrich abgenommen und mit Leinölfarbe gestrichen werden.
Turmzier und Zifferblätter: Die Turmzier und Zifferblätter sollen metallretauratorisch überarbeitet und falls erforderlich neu vergoldet werden.